Eigenschaften des Gradienten

Satz 165Y (Gradient als Vektor steilsten Anstieges)

Sei f:D→Rf:D\rightarrow\R eine Funktion mehrerer Veränderlicher und D⊂RnD\subset\R^n offen, ff in x∈Dx\in D differenzierbar. Dann gilt: Ist grad⁡f(x)=0\grad f(x)=0, so verschwinden alle Richtungsableitungen in xx. Ist grad⁡f(x)≠0\grad f(x)\neq 0 , so gibt es unter allen Richtungsableitungen ∂f∂h(x)\dfrac{\partial f}{\partial h}(x) mit ∣∣h∣∣2=1||h||_2 =1 eine größte, nämlich die des Gradienten grad⁡f(x)\grad f(x) mit ∂f∂h(x)=∣∣grad⁡f(x)∣∣2\dfrac{\partial f}{\partial h}(x)=||\grad f(x)||_2.

Beweis

∂f∂h(x)=(grad⁡f(x))h\dfrac{\partial f}{\partial h}(x)=(\grad f(x))h (Satz 165X) ∣∂f∂h(x)∣ \left|\dfrac{\partial f}{\partial h}(x)\right| =∣∑i=1n∂f∂xi(x)hi∣ = \left|\sum\limits_{i=1}^n \dfrac{\partial f}{\partial x_i}(x)h_i\right| ≤∑i=1n∣∂f∂xi(x)∣2∑i=1n∣hi∣2 \leq \sqrt{\sum\limits_{i=1}^n \left|\dfrac{\partial f}{\partial x_i}(x)\right|^2}\sqrt{\sum\limits_{i=1}^n |h_i|^2} (Cauchy-Schwarzsche Ungleichung) =∣∣grad⁡f(x)∣∣2∣∣h∣∣2 = ||\grad f(x)||_2||h||_2=∣∣grad⁡f(x)∣∣2 = ||\grad f(x)||_2 für ∣∣h∣∣2=1 ||h||_2=1. Damit ist jede Richtungsableitung kleiner als diejenige in Richtung des Gradienten, und in dieser Richtung h0:=grad⁡f(x)∣∣grad⁡f(x)∣∣2h_0:=\dfrac{\grad f(x)}{||\grad f(x)||_2} gilt: ∂f∂h0\dfrac{\partial f}{\partial h_0}=(grad⁡f(x))h0 =(\grad f(x))h_0=(grad⁡f(x))(grad⁡f(x)∣∣grad⁡f(x)∣∣2) =\left(\grad f(x)\right) \left(\dfrac{\grad f(x)}{||\grad f(x)||_2}\right)=∣∣grad⁡f(x)∣∣22∣∣grad⁡f(x)∣∣2 = \dfrac{||\grad f(x)||_2^2}{||\grad f(x)||_2}=∣∣grad⁡f(x)∣∣2 =||\grad f(x)||_2 Da die Richtungsableitungen stets kleiner als der Gradient sind, gilt außerdem die Behauptung aus dem ersten Teil des Satzes. □\qed

Bemerkungen

Der Vektor −grad⁡f\uminus \grad f liefert die kleinste Richtungsableitung. Vektoren, die senkrecht auf dem Gradienten stehen, haben die Richtungsableitung 00 (Wegen f ′(a)⋅v=0f\, '(a)\cdot v=0 und Satz 165X)

Anwendung in der Näherungsrechnung

Sei f:D⊂Rn→Rf:D\subset\R^n\rightarrow \R differenzierbar, dann gilt f(a+h)=f′(a)h+r(h)f(a+h)=f'(a)h+r(h) mit r(h)∣∣h∣∣ →0 \dfrac{r(h)}{||h||}\, \rightarrow 0
Für "kleine" hh , d.h. ∣∣h∣∣≈0||h||\approx 0, ist eine Näherung für f(a+h)f(a+h) die Formel
f(a+h)≈f(a)+f′(a)hf(a+h)\approx f(a)+f'(a)h=f(a)+(grad⁡f(a))h =f(a)+(\grad f(a))h
In Komponenten:
f(a1+h1,…,an+hn)≈f(a1,…,an)+∑i=1n∂f∂xi(ai)hif(a_1+h_1,\dots,a_n+h_n)\approx f(a_1,\dots,a_n)+ \sum\limits_{i=1}^n \dfrac{\partial f}{\partial x_i}(a_i)h_i.
Damit wird der Unterschied f(a+h)−f(a)f(a+h)-f(a) für "kleine" hh durch den Ausdruck ∂f∂x1(a)h1+⋯+∂f∂xn(a)hn=f′(a)h\dfrac{\partial f}{\partial x_1}(a)h_1+\cdots+\dfrac{\partial f}{\partial x_n}(a)h_n=f'(a)h annähernd gegeben. Auf dieser Formel beruht die Fehlerrechnung. Für kleine t∈Rt\in\R und h∈Rh\in\R mit ∣∣h∣∣2=1||h||_2=1 wird der Unterschied f(a+th)−f(a)≈(grad⁡f(x))thf(a+th)-f(a)\approx (\grad f(x))th am grössten für h=grad⁡f(a)∣∣grad⁡f(a)∣∣2h=\dfrac{\grad f(a)}{||\grad f(a)||_2} , d.h. die Richtung des Gradienten.
 
 

Strukturen sind die Waffen der Mathematiker.

N. Bourbaki

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